Dipl.-Ing. Roger Steen

IT Consulting, Softwareentwicklung, Business Coaching und Fotografie


»Der Weg der Astro-Fotografie ist ein sehr steiniger. Sei sicher, Du wirst über jeden Stein stolpern, der auf diesem Weg liegt. Nur, wenn Du es schaffst, jedes Mal wieder aufzustehen, wirst Du ans Ziel kommen.«

Ich bin noch auf dem Weg und ich weiß längst, wie wahr dieser Satz ist und ich mache trotzdem weiter.

ASTRO-FOTOGRAFIE
Sonne, Mond, Planeten, Kometen, Milchstraße, Deep Sky und Nordlichter

Inhaltsverzeichnis

 

HINWEISE

Die Bilder zum Vergrößern bitte anklicken.

Dieser Artikel beschreibt meinen Weg zur Astro-Fotografie und wird kontinuierlich erweitert.

Letzte Änderungen am 5. Juni 2022

 

Foto-Kalender

Die Ergebnisse meiner Astrofotografie habe ich in einer Kalender-Sonderedition als Monatsplaner mit beschreibbarem Kalendarium, als Monatskalender und als Posterkalender ohne Kalendarium zusammengestellt.
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SONNE, MOND, PLANETEN UND KOMETEN

Wolken und Astrofotografie

Wolken und Astrofotografie - das sind Wörter, die selten zusammen passen.

Voraussetzung für die Astrofotografie ist ein wolkenfreier Himmel, wenig Luftfeuchtigkeit oder Dunst in der Luft und damit eine gute Sicht und nach Möglichkeit keine Taubildung. Kameras macht dieser dünne Feuchtigkeitsfilm nichts aus, aber die Frontlinse der Objektive beschlägt und man fotografiert wie durch eine Milchglasscheibe - dagegen hilft eine Objektiv-Heizung.

So sieht die aktuelle Vorhersage der nächsten 72 Stunden für Buxtehude aus:

ClearOutside Vorhersage für Buxtehude: Einfach anklicken für mehr Informationen!
Für Mobilgeräte ist die App empfehlenswert.

Zivile, nautische und astronomische Dunkelheit

Ein Überblick über die jährliche Dunkelheit in Buxtehude liefert diese Grafik.
Sie zeigt die zivile, nautische und astronomische Dunkelheit und wie sich die Sonnenaufgangs-/Untergangszeiten im Laufe eines Jahres ändern.

Mond und Sonne aktuell

Erfahren Sie auf www.Der-Mond.de alles wissenswertes über unseren Erdtrabanten! Vom Basiswissen über Ephemeridenberechnung, aktuelle Mondphasen und sogar einer interaktiven Mondkarte bis zu dieser Zusammenfassung ist für jeden etwas dabei!

Das Homepagetool mit der aktuellen Mondphase u.v.m.

Die Sonne

Um die Sonne zu fotografieren, benötigt man ein Teleobjektiv und einen fest montierten Sonnenfilter. Bei einer DSLR Kameras mit einem APS-C Sensor sollte die Brennweite nicht größer als 1.500 mm sein. Bei einer Vollformatkamera liegt die Grenze bei ungefähr 2.300 mm.

  • Fokussieren im Live–View-Modus, dies erlaubt eine wesentlich präzisere Fokussierung als über den optischen Sucher der Kamera
  • ISO Wert so niedrig wie möglich (ISO 100 – 125)
  • den Weißabgleich im Automatik Modus belassen
  • die resultierende Belichtungszeit sollte um 1/1.000 Sekunde oder kürzer liegen
  • die Sonnenoberfläche in Bildmitte darf nicht überbelichtet sein

Dann mehrere Bilder in Serie aufnehmen, so dass man später die schärfste Aufnahme heraussuchen kann.

28. Oktober 2020

Für heute sind Sonnenflecken vorhergesagt. Ich habe 10 Einzelbilder gemacht, die dann aus Lightroom exportiert, mit PIPP zurechtgeschnitten und mit Autostakkert gestackt und abschließend in Lightroom final bearbeitet. Mehr ist mit dem Sonnenfilter und der Technik wohl nicht zu holen. Immerhin sieht man was.

Nikon D750 + PRAKTICAR 500mm 5.6 mit 2fach Telekonverter + Baader AstroSolar Spektiv Sonnenfilter
10 Einzelbilder mit ISO 1000, 1/1500 Sekunden gestackt.

Hier die dazugehörigen Daten von www.spaceweatherlive.com

Partielle Sonnenfinsternis am 10.06.2021 von 11:28 bis 13:41 Uhr

Am 10. Juni 2021 konnte in der nördlichen Polarregion eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachtet werden. Je weiter südlich man sich beim Blick zum Himmel befindet, desto geringer wird die Bedeckung der Sonne. In Hamburg war maximal eine Sonnenbedeckung von 17,3 Prozent sehen.

Und jetzt noch eine Fotomontage mit einer kleinen Geschichte dazu:

Ja, so eine partielle Sonnenfinsternis ist halt das klassische Beispiel für eine Gegenlichtaufnahme.
Und was macht man da? Mit einem Blitz das Objekt im Schatten aufhellen. Also, den großen Blitz an die Kamera und dann los - es klappt doch! Zumindest etwas aufgehellt ist die sonnenabgewandte Seite vom Mond. Ja, so einfach wie beschrieben, ist das dann doch nicht, da man die Laufzeit des Blitzlichtes von der Erde zum Mond und wieder zurück mit berücksichtigen muss. Für die einfache Strecke braucht das Licht ca. 1,28 Sekunden.

Der Mond

Der Mond ist aufgrund seiner Helligkeit eigentlich sehr einfach zu fotografieren. Je näher man an den Mond heranzoomt, desto schneller wandert der Mond auf dem Display und desto kürzer muss die Belichtungszeit eingestellt werden. Bei abnehmendem oder zunehmendem Mond zeichnen Licht und Schatten Konturen, die dem Bild mehr Ausdruck verleihen. Bei einem sechs Tage alten Mond kommen die Mondkrater besonders gut zur Geltung. Und ein dunkler Ort mit wenig Lichtverschmutzung erhöht den Kontrast des Bildes.

Steht der Mond sehr nahe am Horizont, dann macht sich das Flimmern der Luft leider bemerkbar. Es wird sehr schwer oder zum reinen Glücksfall, scharfe Bilder vom Mond zu bekommen.

Um das Flimmern der Luft zu eliminieren, werden viele einzelne Bilder oder sogar ein kurzer Film aufgenommen und dann wird mit Hilfe einer Stacking-Software aus den vielen Bildern ein Bild berechnet, das dann weiter bearbeitet werden kann.

17. Juni 2019

Den Vollmond habe ich mit 1000 mm und 300 mm Brennweite an Vollformat aufgenommen und den Bildausschnitt nicht beschnitten. Mehr Brennweite holt den Mond näher heran.

Bild 1: Nikon D750 + PRAKTICAR 500mm 5.6 + 2fach Telekonverter
Bild 2: Nikon D750 + AF-S NIKKOR 70-300mm 1:4.5-5.6 bei 300 mm

10. August 2019

Ich habe 30 Einzelbilder aufgenommen, gestackt und anschließend bearbeitet.

Nikon D750 + PRAKTICAR 500mm 5.6 + 2fach Telekonverter

5. April 2020

Das Bild ist nicht beschnitten und auch nicht gestackt, nur in Lightroom bearbeitet. Man kann die verschiedenen Farben der Mondoberfläche etwas erkennen.

Nikon D750 + Prakticar 500mm 5.6 + zweimal 2fach Telekonverter (=2000 mm)
ISO 2000 und 1/500 Sekunde

18. Dezember 2020

Ich war mal wieder mit einem Freund unterwegs, um das Zusammentreffen von Saturn und Jupiter abzulichten. Es war sehr feucht, es gab etwas zu viel Wind und leichte Schleierwolken am Himmel, so sind letztendlich nur die Bilder vom Mond etwas geworden. Es war also nicht so erfolgreich, aber die Lokation ist brauchbar und ich habe wieder was gelernt. Astrofotografie ist manchmal mit Frust verbunden und frieren gehört auch mit dazu.

Zur blauen Stunde - Der Mond im Dunst der Nacht

Bild 1 und 2 sind aus 30 Einzelfotos mit PIPP und AutoStackert gestackt.
Bild 1 unbearbeitet aus dem Stacking
Bild 2 in Lightroom bearbeitet
Bild 3 ist aus 12 Einzelfotos mit PIPP und AutoStackert gestackt und in Lightroom bearbeitet.

Nikon D750 + Sigma 150-600mm f5.0-6.3
Bild 1 + 2: 30 Fotos mit 600 mm, ISO 3200, f8.0, 1/350 Sekunde
Bild 3: 11 Fotos mit 600 mm, ISO 1600, f8.0, 1/500 Sekunde

23. Februar 2021

In diesen Tagen war aufgrund der Wetterlage der Staub und Sand der Sahara in der Luft. Am Himmel waren keine Sterne zu sehen, nur der Mond leuchtete matt.

Nikon D750 + SOLIGOR MIRROR LENS 500mm 8.8
HDR-Aufname mit ISO 2000, unterschiedliche Belichtungszeit

17. November 2021

Ich habe die Wolkenlücken von heute Abend gegen 21:15 Uhr genutzt, um meine neue AstroKamera am Mond auszuprobieren. Ein leichter Dunst war in der Luft und ich habe ohne Nachführung gearbeitet.
Das 200mm Tele in Offenblende ergibt mit der AstroKamera eine equivalente Brennweite von 970mm. Ich habe mit SharpCapPro einen Film mit 500 Frames gemacht und dann mit PIPP und AutoStackert die 20% der besten Bilder gestackt und in Lightroom noch etwas bearbeitet.

ZWO ASI178MM + AF-S VS NIKKOR 70-200mm 1:2.8G
Gain 10,5 db, Belichtung 0,25ms, keinen Filter

21. Januar 2022

Da ich die Nacht genutzt hatte, um mich mit meinem neuen ZWO MotorFokus System vertraut zu machen, hat mich interessiert, was denn mit meinem Spiegelteleobjektiv möglich ist und dass ich mich damit im Grenzbereich bewege, war mir klar.

Die Kombination aus ASI178MM und Soligor Mirror Lens 500mm 8.8 entspricht einer Brennweite von 2425mm an Vollformat.

Das Bild ist aus einem Video mit 500 Einzelbildern erzeugt. Es sind mit AutoStakkert die besten 50% der Bilder ausgewählt und gestackt. Dann mit Astra Image erst mit einem Deconvolution Algorithmus geschärft, dann mit Multiscale Sharpen nachgeschärft und mit Multiscale Contrast aufbereitet. Zu Schluss noch mit Lightroom final bearbeitet. Es wurde nur minimal beschnitten. Die Originalauflösung sind 3104 x 2088 Pixel und dann freigestellt auf 2847 x 1915 Pixel.

Star Adventurer im Mode: Mond + ZWO ASI178MM + Luminanzfilter +
Mirror Lens 500mm 8.8 + ZWO MotorFokus System + Objektivheizung
500 Bilder, Gain 12 dB, Belichtung 4ms

18. März 2022

Der Vollmond im März 2022. Ich habe mit meiner gekühlten monochromen AstroKamera ASI1600MM PRO, einem Tamron SP 500mm F8 + 2xTelekonverter (das entspricht 2000 mm an Vollformat) mit einem ZWO MotorFokus System und einem Grün-Filter fotografiert. Die Kamera habe ich auf -10 °C runter gekühlt und die Montierung lunar nachgeführt.
Das Bild ist aus einem Video mit 250 Bildern entstanden = 6 GByte Rohdaten. Es hat eine Auflösung von 3520 x 3520 Pixel und das fertige Bild ist nicht weiter beschnitten. Ich habe aus dem Video die 30% besten Bilder gestackt, mit Astra Image weiter bearbeitet und mit Lightroom final bearbeitet. Astra Image stellt mir spezielle Algorithmen zur Schärfung und zur Kontrasterhöhung zur Verfügung. Die Ausschnittsvergrößerung ist auch nur beschnitten.

Sky Watcher EQM-35 Pro SynScan GoTo + ZWO ASI1600MM PRO+ Grün-Filter +
Tamron SP 500mm F8 + 2fach Telekonverter + ZWO MotorFokus System
30% von 250 Bilder, Gain 18 dB, Belichtung 8ms

Die Planeten

Der Jupiter und seine Monde

Mein Bild vom Jupiter mit vier seiner Monde (Io, Europa, Ganymed und Kallisto) war einer der großen Glückstreffer. Ich habe es am 17. Juni 2019 aufgenommen.

Nikon D750 + SOLIGOR MIRROR LENS 500mm 8.8 + 2fach Telekonverter

Das Saturn-Jupiter-Mond-Dreieck

In der Nacht zum 9. Juni 2020 standen Mond, Saturn und Jupiter in einem Dreieck am südlichen Nachthimmel. Leider waren Wolken für die Nacht angesagt, so dass ich eigentlich gar nicht fotografieren wollte. In der Nacht bin ich dann gegen 02:00 Uhr wach geworden und da bot sich mir dann für eine halbe Stunden das folgende Schauspiel:
Der Saturn oben links in den Wolken, oben rechts der Jupiter mit drei seiner Monde (von links nach rechts: Ganymed, Europa, Callisto) und darunter der Mond, teilweise von Wolken verdeckt.

Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm
mit ISO 1000, f3.3 und f4.0, 1/2, 1 und 2 Sekunden

Mond, Saturn und Jupiter am Nachthimmel über Buxtehude am 3. August 2020 - leider einen Tag zu spät, weil am 2. August Wolken am Himmel waren. Der Pluto steht aktuell zwischen Saturn und Jupiter, etwas unterhalb der gedachten Linie zwischen den beiden Planeten. Der Pluto ist aber so klein und die Lichtreflexion der Sonne sind so schwach, dass man ihn nicht sieht.
Ich habe lange probiert, um die Struktur der Mondoberfläche mit darzustellen. Das ist aber bei den Helligkeitsunterschieden so gut wie unmöglich. Für den Mond müsste ich auf eine 1/4000 Sek gehen. Baue ich das in Photoshop zusammen, dann sieht es sehr unnatürlich aus. Da ist unser menschliches Auge schon besser und bekommt die Situation am Nachthimmel in Griff.

Nikon D750 + AF NIKKOR 50mm 1:1.8D
mit ISO 1000, f5.6, 1/4 Sek

Ich habe lange probiert, um die Struktur der Mondoberfläche mit darzustellen. Das ist aber bei den Helligkeitsunterschieden so gut wie unmöglich. Für den Mond müsste ich auf eine 1/4000 Sek gehen. Baue ich das in Photoshop zusammen, dann sieht es sehr unnatürlich aus.

Fotomontage

Da ist unser menschliches Auge schon besser und bekommt die Situation am Nachthimmel in Griff.

Saturn und Jupiter am sommerlichen Himmel

In den Nächten vom 16. und 17. Juni 2020 waren kaum Wolken am Himmel, so dass ich beide Planeten einfangen konnte. Beide Planeten standen nachts um 03:00 Uhr unter einem Höhenwinkel von ca. 15° im Süden. Für den Jupiter habe ich 11 und für den Saturn habe ich 18 Einzelaufnahmen gestackt und dann auf 1000x1000 Pixel gekroppt.

Das erste Bild zeigt den Jupiter, das zweite den Saturn im gleichen Maßstab. Das dritte Bild zeigt den Jupiter mit seinen vier gallischen Monden (Io, Europa, Ganymed, Kallisto) - dafür habe ich eine Aufnahme von jetzt und eine Aufnahme vom letzten Jahr maßstabsgerecht zusammen montiert.

Nikon D750 + Prakticar 500mm 5.6 + zweimal 2fach Telekonverter (=2000 mm)

Entfernungen    in km    in Lichtminuten
Sonne - Erde    150 Millionen km    8 Lichtminuten
Sonne - Jupiter    780 Millionen km    43 Lichtminuten
Sonne - Saturn    1,4 Milliarden km    79 Lichtminuten
Sonne - Pluto    4,4 bis 7,4 Milliarden km    328 Lichtminuten


Ohne Teleskope geht wohl nicht mehr - ich verwende ein 500 mm Tele mit zweimal 2fach Telekonverter (=2000 mm) und das ganze ohne Nachführung, weil es zu viel wiegt. Beim Fotografieren muss es absolut wolken- und dunstfrei sein, damit sich die Erdatmosphäre nicht so stark bemerkbar macht. Und man braucht obendrein noch ganz viel Glück, um brauchbare Bilder zu bekommen.

Am 22.09.2021 hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit meine Kamera an ein Teleskope in der Außensternwarte der GvA (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e.V.) anzuschließen. Das Teleskope ist ein 14″ Meade ACF (3,6 m Brennweite) und meine Nikon D750 habe ich mit einem Adapter von 2" auf Nikon-Bajonet angeschlossen. Für die Bilder vom Saturn haben wir noch zusätzlich eine zweifach Barlow-Linse verwendet.

Saturn am 22.09.2021 gegen 20:13 Uhr

Bild 1: Ist ein Einzelbild vom Saturn.
Bild 2: Ist der Stack aus ca. 50 Einzelbildern. Verkleinert sieht man mehr als vergrößert.

Jupiter am 22.09.2021 gegen 20:45 Uhr

Bild 1: Ist ein Stack aus ca. 50 Einzelbildern. Wenn Ihr Euch den Jupiter genauer anseht, dann erkennt Ihr rechts vom Jupiter den gallischen Mond Io und auf der Jupiter-Oberfläche seht Ihr einen dunklen Fleck, das ist der Schatten vom Mond auf der Jupiteroberfläche.
Bild 2: Ist eine Simulation aus Stellarium: Die Position von Io und sein Schatten auf der Jupiteroberfläche am 22.09.2021 um 20:45 Uhr.
Bild 3: Ist eine Komposition aus zwei Einzelbildern. Man sieht Europa links vom Jupiter, Io rechts und ganz nahe am Jupiter und Ganymed am rechten Bildrand. Callisto fehlt auf dem Bild. Die Oberflächenstrukturen des Jupiters sind etwas zu erahnen. Der rote Fleck war auf der Jupiter-Rückseite.

Im nächsten Schritt will ich die Aufnahmen von Jupiter und Saturn mit einer monochromen PlanetenKamera ASI 1600 zusammen mit einem Filterrad am Teleskope machen - also jeden Farbkanal als Video aufnehmen und dann hinter zusammensetzen. Damit wäre dann auf jedem Fall mehr drinnen.

Jupiter am 24.10.2021 gegen 21:10 Uhr

Ich war mal wieder in der Außensternwarte der GvA (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e.V.) und habe mich weiter mit der Planeten-Fotografie beschäftigt.

Die atmosphärischen Bedingungen waren leider nicht gut. Es war sehr kalt, wir hatte eine extreme Luftfeuchtigkeit und das Scharfstellen war echt nicht einfach.

Ausstattung: Laptop, gekühlte monochrome Planetenkamera ASI 1600 und motorisiertes Filterrad mit Farbfiltern (R, G, B und IR) und das große Teleskope mit 3,6 m Brennweite

Ich habe vier Videos mir jeweils 1000 Frames gemacht, dann je RGB-Farbkanal 10% der besten Frames gestackt und zu einem Farbbild zusammengebaut.

Bild 1: das zusammengesetzte Farbbild aus RGB
Bild 2: R-Kanal
Bild 3: G-Kanal
Bild 4: B-Kanal
Bild 5: IR-Kanal

Das Ergebnis ist nicht besonders, aber jetzt läuft endlich mein Laptop sowie die notwendige Software mit der Kamera und dem Filterrad zusammen und ich kann die Software einigermaßen bedienen - von daher hat es sich wieder mal gelohnt.

Alternativen

Man könnte auch mit einer Farb-DSLR mit Videofunktion verwenden, müsste dann aber einen ADC (Atmospheric Dispersion Corrector) verwenden, der die sogenannte Astronomische Refraktion ausgleicht. Die Luftschicht über der Erde hat einen – wenn auch geringen – Brechungsindex. Dies führt dazu, dass schräg einfallende Lichtstrahlen gebrochen werden und unter einem etwas anderen Winkel sichtbar sind, als sie tatsächlich von außen auf die Erde einfallen. Dies führt zum Beispiel dazu, dass die untergehende Sonne am Horizont noch deutlich länger sichtbar ist, als es bei linearem Strahlengang möglich wäre.
Per Software kann man auch ohne einen ADC seine Astroaufnahmen in die einzelnen Farbkanäle splitten. Hiermit lässt sich der Farbfehler zumindest auf etwa ein Drittel reduzieren. Nur mit einem ADC kann dieser Fehler vollständig aufgehoben werden.

Die Venus

Das kennt man doch, wenn sich das Licht des Mondes oder das der untergehenden Sonne im Meer spiegelt. Jetzt was ganz besonderes: Die Venus im Sternbild des Steinbocks leuchtet über dem Meer - einfach nur grandios. Ich kann es immer noch nicht so recht glauben, was ich da fotografiert habe.

Nikon D750 + Samyang 2.8/14mm
mit ISO 2000, f4.0, 20 Sekunden

Das Bild ist am 26. Dezember 2019 um 19:45 Uhr ca. 130 m über N.N. oberhalb von Puerto Naos @ La Palma aufgenommen worden. Man sieht etwas die Lichtverschmutzung von Puerto Naos und den abendlichen Dunst über dem Meer. 

Die Türken haben das Wort Yakamoz dafür, was andere nur in ganzen Sätzen versuchen auszudrücken. Übersetzt heißt Yakamoz so viel wie die Widerspiegelung des Mondes im Wasser. Schaut man in die türkische Wikipedia und übersetzt das wieder ins Deutsche, so bedeutet das Wort wohl die Reflexion, die Licht in der Nacht auf dem Wasser verursacht oder ganz simpel auch Nachtreflexion.

Die Venus in den Plejaden (Siebengestirn)

Das Bild ist in der Nacht vom 3. auf den 4. April 2020 in Buxtehude im Westmoor entstanden. Der Mond stand schon recht hell am Himmel und es waren leichte Schleierwolken vorhanden.
Beim ersten Bild habe ich 14 Aufnahmen mit Sequator gestackt und mit Lightroom bearbeitet und beim zweiten Bild sind die Plejaden zusätzlich mit den Astronomy Tools in Photoshop hervorgehoben.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm + 2fach Telekonverter
mit ISO 500, 30 Sekunden

Der Strahlenkranz der Venus wurde durch das Objektiv erzeugt. Die richtige Bezeichnung wäre eigentlich Blendenstern, denn das Licht von punktförmigen und kontrastreichen Lichtquellen beugt sich um die Kanten der Blendenlamellen.

Der Mars in den Plejaden (Siebengestirn)

Das Bild ist am Abend des 5. März 2021 bei mir auf dem Balkon in Buxtehude entstanden. Der Mars stand in der Nähe der Plejaden am westlichen Nachthimmel. Ich habe 110 Aufnahmen mit AstroPixelProzessor gestackt und bearbeitet. Die finale Bearbeitung des Bildes erfolgte in Lightroom.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm
110 Aufnahmen mit ISO 1000, f3.3, 30 Sekunden

Die Kometen

Der Komet C/2020 F3 (Neowise)

Der Komet C/2020 F3 wurde am 27. März 2020 im Rahmen des Projekts NEOWISE durch das Weltraumteleskop WISE entdeckt.

Man sieht ihn zwischen NordNordWest und NordNordOst am Nachthimmel. Gegen 01:00 Uhr steht er am tiefsten Punkt genau im Norden. Die beste Zeit zum Beobachten ist während der nautischen Dämmerung (aktuell zwischen 00:00 und 03:00 Uhr), denn dann kann man den Kometen und seinen Schweif mit bloßem Auge sehen. Danach wird es schon wieder zu hell. (Angaben für Buxtehude und Ende Juli 2020)

Aufnahmen vom 11. Juli 2020

Der Komet zusammen mit leuchtenden Nachtwolken (NLC) am Nachthimmel über dem Ostmoor in Buxtehude.

Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm / AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G
Bild 1: 135mm, ISO 1000, f4.0, 4 Sekunden
Bild 2: 135mm, ISO 1000, f4.0, 2 Sekunden
Bild 3: 65 mm, ISO 1000, f5.6, 6 Sekunden

Aufnahmen vom 12. Juli 2020

Diese Bilder sind auf dem Estedeich in Moorende entstanden.

Nikon D750 + AF-S NIKKOR 70-300mm 1:4.5-5.6
Bild 1 ist ein Panorama aus 5 Einzelbildern
Bild 2 ist eine Einzelaufnahme
Bild 3 ist ein Stack aus 30 Einzelfotos bei 300 mm, ISO 4000, f8.0 und 1 Sekunde

Aufnahmen vom 17. Juli 2020

Diese Bilder sind zwischen 00:00 und 02:00 Uhr auf dem Elbdeich flußabwärts vor dem Lüheanleger entstanden. Das Panorama ist der Blick von Stade über den Lüheanleger bis nach Hamburg.

Nikon D750 + AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G
Bild 1 ist ein Panorama aus 5 Einzelbildern
Bild 2 und 3 sind Einzelaufnahmen

Aufnahmen vom 21. Juli 2020

Der Komet C/2020 F3 (Neowise) am Nachthimmel über der Elbe. Die Bilder sind am 21. Juli 2020 zwischen 00:00 und 01:00 Uhr am Lüheanleger mit Blick in Richtung Stade entstanden.

Bei den beiden letzten Fotos habe ich das Sternbild des Großen Wagens hervorgehoben.

Bild 1 ist eine Einzelaufnahme
Bild 2 ist eine HDR-Aufnahme
Bild 3 ist gestackt aus 20 Einzelbildern
Bild 4 ist eine Einzelaufnahme

Aufnahmen vom 25. Juli 2020

Der Komet C/2020 F3 (Neowise) verabschiedet sich. Er ist mit bloßem Auge so gut wie nicht mehr zu sehen. Die Bilder sind am 25. Juli 2020 kurz nach Mitternacht am Stadtrand von Kappeln aufgenommen worden.

Auf beiden Fotos habe ich das Sternbild des Großen Wagens hervorgehoben.

Nikon D750 + AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G
bei 24 mm, ISO 5000, f5.6, 10 Sekunden
Bild 1 ist eine Einzelaufnahme
Bild 2 ist ein Stack aus 40 Einzelbildern

Der Komet C/2020 M3 (Atlas)

Am 4. November 2020 habe ich den Kometen C/2020 M3 (Atlas) im Sternbild des Orion fotografiert.
Er ist mit bloßem Auge nicht zu sehen und der Mond stand in der Nacht doch arg hell am Himmel. Unten rechts der helle Stern ist Rigel, links davon sieht man den Kometen schwach grün leuchten und oben rechts ist der Orion-Nebel.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm
bei ISO 2500, f4.0, 4 Sekunden
Stack aus 40 Einzelbilder

Der Komet wurde am 27. Juni 2020 vom robotischen Asteroid Terrestrial-Impact Last Alert System (ATLAS) entdeckt. Er umkreist die Sonne auf einer langgestreckten elliptischen Bahn, die mäßig zur Erdbahn geneigt ist. Er bewegt sich im Zeitraum Oktober 2020 bis Februar 2021 in nördlicher Richtung vom Sternbild Hase durch den Orion in den Fuhrmann und ist Mitte November der Erde am nächsten.

Das folgende Bild ist vom 8. November 2020. Der Komet ist weiter im Sternbild des Orion gewandert. Man sieht unten rechts in der Ecke den Stern Rigel, oben links die drei Gürtelsterne mit dem Flammen- und dem Pferdekopfnebel, dann den großen Orion Nebel und den grünlichen Kometen. Da ich ca. 50 Minuten Licht gesammelt habe, hat sich der Komet in Bezug auf die Sterne natürlich bewegt und man sieht die Leuchtspur.
Das Bild ist mit AstroPixelProcessor gestackt und bearbeitet worden. Die finale Bearbeitung habe ich dann mit Lightroom durchgeführt. Ich habe dieses Bild genutzt, mich intensiver in die Software AstroPixelProcessor zu schäftigen.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm
bei ISO 1000, f4.0, 30 Sekunden
Stack aus 95% von 101 Einzelbildern

Der Komet C/2021 A1 (Loenard)

Der Komet C/2021 A1 (Leonard) ist ein langperiodischer Komet, der am 3. Januar 2021 von Gregory J. Leonard am Mount Lemmon-Observatorium bei Tucson im US-Bundesstaat Arizona entdeckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er etwa 5 AU von der Sonne entfernt, ungefähr so weit wie die Jupiter-Umlaufbahn.

Am 12. Dezember 2021 wird er sich bis auf ca. 34,4 Millionen km an die Erde annähern, am 18. Dezember 2021 bis auf ca. 4,2 Millionen km an die Venus. Es wird erwartet, dass C/2021 A1 im Laufe des Dezembers 2021 eine scheinbare Helligkeit von 4 mag erreicht. Dann wäre er mit bloßem Auge am Nachthimmel zu erkennen und könnte schon mit einem Fernglas gut beobachtet werden. Leider nicht von der nördlichen Halbkugel der Erde, da er dann unter dem Horizont steht.

Die folgenden Aufnahmen sind am Morgen des 6. Dezember 2021 zwischen 04:00 Uhr und 06:00 Uhr entstanden. Der Komet stand etwa 5° von Arktur entfernt am Himmel. Arktur ist ein Doppelstern im Sternbild Bärenhüter.

Der Himmel war leider nicht klar, es zogen leichte Schleierwolken durch. Trotzdem habe ich ihn abgelichtet bekommen und konnte viel aus den Bildern mit Stacken herausrechnen. Bild 1 ist mit Sequator und Bild 2 mit AstroPixelProzessor gestackt und beide sind mit Lightroom weiter bearbeitet.

In den Bildern sieht man unten rechts den Doppelstern Arktur.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.0/135mm
Bild 1: bei ISO 2500, f4.8, 30 Sekunden, Stack aus 10 Bildern
Bild 2: bei ISO 2000, f3.3, 30 Sekunden, Stack aus 40 Bildern

Auf dem folgenden Bild kann man die Länge seines Schweifes etwas erahnen. Es sind die Grunddaten wie bei Bild 2, es wurde nur anders in AstroPixelProzessor gestackt und in Lightroom bearbeitet.

Die Sternschnuppen

Die Perseiden

Eigentlich wollte ich ein zusammengesetztes Bild mit dem Meteorschauer der Perseiden aufnehmen. Ich hatte alles inklusive Nachführung aufgebaut und es mir auf dem Balkon bequem gemacht. Während der Zeit habe ich insgesamt 5 Sternschnuppen gesehen - leider sind sie auf den Fotos fast nicht zu sehen und auch nicht wirklich herauszuarbeiten.

Die Wahl der Belichtungszeit von 60 Sekunden war unglücklich gewählt. Der Himmel und alles drum herum ist zwar richtig belichtet, aber die Leuchtspuren der Sternschnuppen gehen unter. Ich hätte besser 10 bis 15 Sekunden Belichtungszeit je Bild wählen und dann die 4- bis 6-fache Anzahl von Bildern machen sollen.

Also ist jetzt ein Zeitraffer-Video aus 80 Einzelbildern der heraufziehenden Wolken entstanden ... hat auch was. Das Video wurde mit LRTimelapse und Lightroom erstellt. Eine Step-By-Step Anleitung zu LRTimelapse gibt es in meinem Blog.

Nachführung + Nikon D750 + Samyang 2.8/14mm
ISO 1000, f4.8, 60 Sekunden

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